Forschungszentrum wird zum Reallabor

Energiewende: 2,6-Millionen-Euro-Projekt zur Kopplung der Energiesektoren Strom, Wärme, Kälte und der Integration von grünem Wasserstoff auf dem EnergieCampus der TU Clausthal in Goslar gestartet

Für eine erfolgreiche Energiewende sind der Ausbau erneuerbarer Energien, neue Speichertechnologien sowie eine intelligente Kopplung von Strom, Wärme, Kälte und künftig auch grünem Wasserstoff entscheidend. Vor diesem Hintergrund ist am Forschungszentrum Energiespeichertechnologien (EST) der Technischen Universität Clausthal das Projekt „H2-SEKO“ zum Aufbau eines Testfeldes zur Integration von grünem Wasserstoff in sektorengekoppelte Energiesysteme gestartet.

Ziel des Projekts ist es, die bereits vorhandene Gebäude- und Forschungsinfrastruktur dahingehend zu erweitern, dass die systemische Kopplung der am Standort verfügbaren Energieformen im realen Betrieb unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten untersucht werden kann. Dem EST wird damit ein Reallabor in einer praxisrelevanten Größenordnung zur Verfügung stehen, das aufgrund der Diversität und engen Verzahnung der einzelnen Komponenten auch bei Rüstzeiten oder Ausfällen einzelner Komponenten weiterhin die Grundversorgung der Liegenschaft sichern soll. Das Labor wird u.a. der Erprobung neuentwickelter Energietechnologien dienen und auf diese Weise auch neue Kooperationsmöglichkeiten zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen erschließen. Als Digitalisierungsplattform dient es der Entwicklung und Erprobung „smarter“ Anlagen und Komponenten („IoT“).

Innovative technische Lösungen mit erheblichem wissenschaftlichem Mehrwert

Nachdem bereits im Sommer 2024 der Förderbescheid erging und erste vorbereitende Arbeiten angelaufen waren, fand nun das offizielle Kick-off-Treffen aller Projektbeteiligten im EST in Goslar statt. Dabei konnte das bislang nur im Grobentwurf existierende Anlagenkonzept bereits in wesentlichen Teilen, wie z.B. der Zwischenspeicherung von Wasserstoff zur späteren gekoppelten Strom- und Wärme/Kälteerzeugung, weiter konkretisiert werden. Dadurch kommen auch innovative technische Lösungen mit erheblichem wissenschaftlichem Mehrwert zum Einsatz.

Prof. Thomas Turek (TU Clausthal), wissenschaftlicher Leiter des Projektes, freut sich über den operativen Start: „Die neue Infrastruktur des EST wird uns in die Lage versetzten, ein reales auf grünen Energien basierendes Energiesystem mit eng vermaschten diversen Anlagen zur Energiebereitstellung, -speicherung und -nutzung im Technikumsmaßstab aufzubauen und damit optimale Strategien für einen ressourceneffizienten und klimafreundlichen Betrieb des Anlagenverbundes abzuleiten. Auch werden unsere Studierenden z.B. in Studien- und Abschlussarbeiten von diesen neuen praktischen Möglichkeiten profitieren.“

Wertvoller Wegweiser für die Zukunft öffentlicher Bauvorhaben

Anne Günther, Projektleiterin seitens des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen, ergänzt: „Mit dem von der TU Clausthal verfolgten Anlagenkonzept, das insbesondere auch die Einbindung von grünem Wasserstoff berücksichtigt, erhoffen wir uns wertvolle Hinweise für zukünftige öffentliche Bauvorhaben, die eben genau diese Zukunftstechnologie berücksichtigen sollen.“ Auch Jens Dickehut, Projektleiter vom Goslarer Ingenieurbüro IMF, welches den Auftrag zur Planung des Vorhabens erhalten hat, ist von dem großen Potenzial des Vorhabens zum Wissenstransfer in die Praxis überzeugt: „Im Rahmen des Vorhabens erarbeiten wir gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Clausthal ein innovatives Anlagenkonzept, welches wir später als Blaupause auf andere Vorhaben übertragen können.“

Das Projekt „H2-SEKO“ hat ein Gesamtvolumen von rund 2,6 Millionen Euro und wird jeweils zu 40 Prozent aus Mitteln der Europäischen Strukturförderung (EFRE) sowie Haushaltmitteln des Landes Niedersachsen gefördert. Die weiteren 20 Prozent werden jeweils zur Hälfte aus dem Budget des EST sowie zentralen Haushaltsmitteln der TU Clausthal finanziert. Zum Ende des Jahres 2027 sollen alle Anlagenkomponenten ihren Betrieb aufgenommen haben.

Kontakt:
Dr. Jens-Peter Springmann
Forschungszentrum Energiespeichertechnologien
TU Clausthal
E-Mail: jpspringmann@tu-clausthal.de

Kick-off-Meeting des Projektes „H2-SEKO“ auf dem EnergieCampus der TU Clausthal in Goslar. Foto: EST